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Mathematikerin Dr. Maryam Parvizi erhält Humboldt-Forschungsstipendium

Mathematikerin Dr. Maryam Parvizi erhält Humboldt-Forschungsstipendium

Dr. Maryam Parvizi hat sich erfolgreich um ein renommiertes Humboldt-Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung beworben. Die Mathematikerin erhält eine zweijährige Förderung für ihre Forschung im Bereich der angewandten Mathematik zur numerischen Behandlung von partiellen Differentialgleichungen. An der Leibniz Universität Hannover (LUH) gehört Parvizi zum Team von Prof. Dr. Thomas Wick am Institut für Angewandte Mathematik (IfAM). Wick ist Mitglied des Exzellenzclusters PhoenixD: Photonics, Optics, and Engineering - Innovation across Disciplines, das sich mit neuartiger integrierter Optik beschäftigt.

Die aus dem Iran stammende Parvizi promovierte bei einem der weltweit führenden Wissenschaftler im Bereich der numerischen Analyse, Professor Jens Markus Melenk von der Technischen Universität Wien. Nach Abschluss ihrer Doktorarbeit kam Parvizi nach Hannover. „Es war ein großer Erfolg, sie im Dezember 2020 für unser Institut zu gewinnen“, sagt IfAM-Geschäftsführerin Wick. „Das Humboldt-Postdoc-Stipendium bestätigt ihre herausragende Expertise. Darüber hinaus zeigt Maryams Werdegang, dass sie sowohl für interdisziplinäre als auch für disziplinäre Kooperationen offen ist und eine große Breite und Tiefe in ihrer Forschung aufweist.“

Parvizi arbeitet an der Theorie von Modellgleichungen mit Schwerpunkt auf der sogenannten Maxwell-Gleichung. Mit diesem grundlegenden Modell der Elektromagnetik beschreiben Wissenschaftler elektrische Felder. Die Technologie betreibt Anwendungen wie MRI-Scanner (Magnetresonanztomographen). „Mit den Mitteln des Humboldt-Stipendiums möchte ich meine bisherigen Forschungen erweitern und die Vorkonditionierer für die Maxwell-Gleichung sowie deren Effizienz untersuchen", sagt Dr. Maryam Parvizi.

Partielle Differentialgleichungen sind in der angewandten Wissenschaft von entscheidender Bedeutung, da sie es den Forschern ermöglichen, physikalische, biologische und technische Probleme zu modellieren. „Elektromagnetische Probleme können mit verschiedenen numerischen Methoden gelöst werden, z. B. mit finiten Elementen, Randelementen und FEM-BEM-Kopplung. „Aber alle diese Methoden haben einen gemeinsamen Nachteil. Das entstehende lineare System ist schlecht konditioniert, was bedeutet, dass die Lösung dieser linearen Systeme einen großen Fehler in der numerischen Lösung verursacht“, sagt Parvizi. „Daher müssen wir Vorkonditionierer verwenden, um diese systematischen Probleme zu lösen. Ich möchte numerische Techniken finden, um diese rechnerischen Herausforderungen zu überwinden“, so Parvizi.

Prof. Wick unterstützte Parvizis Antrag bei der Alexander von Humboldt-Stiftung. Seiner Ansicht nach passe Parvizis Forschung sehr gut in den Gesamtbereich des IfAM. Das Institut konzentriert sich auf die Modellierung, Analyse, Numerik und Simulation nichtlinearer, gekoppelter, multiphysikalischer Probleme und genießt internationales Ansehen. Wick selbst hat gerade einen Ruf auf eine W3-Professur für Wissenschaftliches Rechnen an der LUH angenommen.

„ Der Exzellenzcluster PhoenixD und die Leibniz Universität Hannover bieten außergewöhnliche Möglichkeiten für junge Wissenschaftler", sagt Wick. „Gerade für angewandte Mathematikerinnen und Mathematiker stehen mehrere Türen offen: Einerseits gibt es interessante, komplizierte und zukunftsträchtige Probleme aus der Praxis, zum Beispiel aus der Lasermaterialbearbeitung, die aus rein mathematischer Sicht im Sinne von Well-Posedness, physikalisch basierten Diskretisierungen und problemspezifischen numerischen Lösern untersucht werden können. Andererseits steht, wie schon gesagt, auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit offen und es wird von den anderen Disziplinen sehr geschätzt, wenn Mathematiker sich für eine produktive Zusammenarbeit interessieren. Ich glaube fest daran, dass Maryam in beiden Richtungen bedeutende Beiträge leisten wird“, sagt Wick.

Parvizi, deren Ehemann Dr. Amirreza Khodadadian ebenfalls Wissenschaftler im Bereich des wissenschaftlichen Rechnens an der LUH ist, hat nicht nur eine wissenschaftliche Agenda. Die 33-Jährige will auch ein Vorbild sein. „Ich möchte alle Mathematiker, insbesondere Frauen, ermutigen, an sich zu glauben und sich für das Stipendium zu bewerben“, sagt Parvizi.

Mit dem vergebenen Forschungsstipendium unterstützt die Alexander von Humboldt-Stiftung überdurchschnittlich qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ausland, die während eines sechs- bis 24-monatigen Aufenthaltes ein eigenständiges Forschungsprojekt bei einem Gastgeber ihrer Wahl in Deutschland realisieren möchten. Bei der Auswahl der Stipendiaten bewertet die Stiftung unter anderem die Originalität und das Innovationspotenzial des vorgeschlagenen Forschungsvorhabens, heißt es in den Programminformationen der Stiftung. In den letzten Jahren wurden durchschnittlich 25 bis 30 Prozent der Bewerber gefördert.

Die Stiftung ermutigt ihre Stipendiaten, ihr Netzwerk aktiv auszubauen. Parvizi freut sich auf die Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen während des Förderzeitraums und darüber hinaus. Zu den Ehrengästen der Jahrestagung der Humboldt-Stiftung in Berlin zählte in der Vergangenheit auch der Bundespräsident.